© SV Turbine Bergen e.V. SV Turbine Bergen e.V. Historie Chronik anlässlich des 100 - jährigen Jubiläums 2011 100 Jahre Sportvereinigung Bergen Liebe Sportlerinnen und Sportler, liebe Freunde und Förderer des SV Turbine  Bergen, es ist an der Zeit, stolz auf das Erreichte zurückzublicken, allen zu  danken, die unermüdlich für den Verein am Wirken sind, ganz gleich, an  welcher Stelle sie das tun, und letztendlich zu feiern, denn unser Verein, der  SV Turbine Bergen, tritt ein in das zweite Jahrhundert seiner Existenz. 100 Jahre Bergener Fußball – das soll uns Anlass sein, einmal zurückzuschauen und wichtige Ereignisse und Tatsachen festzuhalten, auch, damit kommende Generationen von begeisterten Sportlern in der Gemeinde wissen, wie einmal alles begann, mit welchem persönlichen Einsatz zum Wohle des Bergener Sports das, was uns manchmal so alltäglich erscheint, einmal geschaffen wurde, und natürlich dafür zu sorgen, dass nach weiteren hundert Jahren nicht konstatiert werden muss, dass von alledem nichts mehr vorhanden ist, sondern dass man dann mit Fug und Recht behaupten kann: Es ist weiter vorangeschritten, das Engagement für den Verein ist niemals erlahmt, und für die weitere Zukunft muss es einem nicht bange sein. Die Anfänge des Vereins Zu Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich die Gemeinde Bergen in einem allgemeinen Aufwärtstrend. Die Bevölkerungszahl erhöhte sich, viele der heute schon historischen Häuser entstanden, das Stickerei- und Webereiwesen sorgte für wachsenden Wohlstand in der Bevölkerung, es entstand ein neues selbstbewusstes Lebensgefühl. Und Sport begann eine immer größere Rolle im Leben der Menschen zu spielen. Der Fußball trat europaweit seinen Siegeszug an als populärste Sportart und begeisterte immer mehr Menschen. Diese Entwicklung ging auch an unserer Gemeinde nicht spurlos vorüber. Im Jahre 1911 war es dann soweit. Einige Bergener Bürger, dabei der spätere erste Vereinsvorsitzende Gustav Böttcher, gründeten die Sportvereinigung Bergen, um regelmäßig und in einer organisierten Form in ihrer Sportart zu trainieren und sich mit anderen zu messen. Das betraf damals die Sportarten Fußball, Leichtathletik, Schwerathletik und Ringen. Das alles geschah aus reiner Sportbegeisterung heraus, die nötige Infrastruktur war noch nicht entwickelt, es wurde mit Provisorien Vorlieb genommen, alles, was benötigt wurde, musste letztlich selbst organisiert und geschaffen werden. Es gab keine spezielle Sportanlage. Die ersten Fußballspiele wurden auf einer dazu hergerichteten Wiese („Schillerwiese“) an der Alten Bahnhofstraße ausgetragen. Einzelheiten sind längst nicht mehr nachvollziehbar. Wer sich die Mühe einmal macht, diesen Ort aufzusuchen, kann sich bildlich vorstellen, unter welchen Bedingungen diese ersten Spiele stattfanden. Sicher wäre es auch aus heutiger Sicht hochinteressant, sich vorzustellen, welche Spielkleidung die Sportler trugen, und mit welchem Schuhwerk die ersten gelungen Flanken in Richtung Sechzehner geschlagen wurden. Später wurde der Sportplatz in den Ortsteil Steinigt verlegt, auf eine Wiese in  der Nähe des Gasthauses „Echo“. Damit dürften sich die Bedingungen aber  nicht entscheidend verbessert haben. Wenig bekannt dürfte der Turnplatz Bergen sein, der ganz in der Nähe der Trieb längs des heutigen Weges zum Sportplatz existierte. Er wurde später im II. Weltkrieg offensichtlich zweckent-fremdet auch für militärische Belange be- nutzt und später bebaut. Eine erste entscheidende Verbesserung der Infrastruktur für den Bergener Sport war der Bau unseres heutigen „Alten Platzes“. Die Situation im Steinicht war alles andere als zufriedenstellend, außerdem wurde ein zentraler Ort mitten in der Gemeinde gesucht. Was zur Verfügung stand, waren Sumpfland, Wald und das, was vom „Großen Teich“ noch übrig war. Da an so etwas wie Sponsoring und öffentliche Mittel nicht zu denken war, ist der entstandene Platz als ein erstaunliches Resultat der unermüdlichen Bemühung von wirklichen Sport- Idealisten zu sehen. Der Hauptteil der Arbeit muss wohl 1912 und 1913 geleistet worden sein, denn die Regsamkeit der Bergener Sportler fand 1913 seine Würdigung darin, dass der Gau Obervogtland sein Sportfest in Bergen abhielt. So etwas wie Umkleidekabinen war noch nicht vorhanden, man zog sich im Gasthof Patz um. Der Weltkrieg unterbrach die sportliche Entwicklung erst einmal. Auch die  Bergener Jugend musste an die Front, und die Vereinstätigkeit ruhte bis nach  dem Krieg.  Die Informationen aus dieser Zeit fließen recht spärlich. Bekannt ist, dass Bergen 1921 in die 1. Klasse im Gau Göltzschtal aufstieg. Das entscheidende Ausscheidungsspiel gegen die Spielvereinigung Reichenbach fand am ersten Kirmesfeiertag auf dem VfB-Platz in Auerbach statt und endete mit einem 2:1- Sieg für Bergen nach Ver- längerung. Während der 30-er Jahre spielte man dann wieder in der 2. Klasse, und es begann das ständige Auf und Ab von Erfolg und Rückschlag, das erst 1953 mit dem Aufstieg in die Bezirksklasse zu einer völlig neuen Dimension im Bergener Sport führte. Für die Zeit vom 16.2.1932 bis zum 1.12.1938 existiert mit dem Protokollbuch des Spielausschusses ein wichtiges Dokument zum Bergener Fußball. Es gibt Auskunft über nahezu alle ausgetragenen Spiele, über Besetzungen in der ersten und zweiten, zeitweise der dritten Mannschaft, leider aber kaum über die erreichten Resultate. Es ist dem Interessierten ein Einblick möglich, welche Probleme im Ausschuss diskutiert wurden, wie das Vereinsleben – auch kulturell – damals aussah. So kann man z.B. auf Seite 63 nachlesen, dass die 1. Mannschaft Anfang Februar 1933 gegen Grünbach II antrat, und das mit folgender Aufstellung:                                                    Klaus                                          Windisch, Lorenz                                     Tunger, Wolf, Müller, R.                   Weller, H., Kürschner, Strobel, Petzoldt, Zollfrank                                           Ersatz: Weller, P. Die 2. Mannschaft spielte gegen Grünbach III in folgender Besetzung:                                                 Georgie                                   Müller, Geigenmüller                            Schilbach, Bernhardt, Tunger                     Müller, Fr., Rudert, Fücker, Rudert, Stark, H. Und Rudy Windisch gab noch bekannt, sicherlich zur Freude aller Beteiligten, „dass das Vergnügen zur Fastnacht bestimmt stattfindet“. Schriftführer war Karl Zollfrank. Derart detaillierte Aussagen gibt es zu fast jedem Spiel. Schon deshalb sollte dieses historische Dokument auch in Zukunft sehr in Ehren gehalten werden. Bergen spielte in der Anfangszeit des Vereins im Rahmen des vogtländischen Gaues. Eine territoriale Gliederung in Kreise und Bezirke gab es noch nicht. Das wirft die Frage nach der heute vergleichbaren Spielklasse auf: Spielte der Verein eher auf Kreisniveau, oder entsprach der Gaufußball eher der heutigen Bezirksklasse? Die im Protokollbuch dokumentierten Gegner der 1. Mannschaft sprechen eher dafür, dass die Spielpraxis dem Kreisniveau ähnelte. Es ist interessant, dass Spielabschlüsse über einen regen Briefwechsel zwischen den Vereinen getätigt wurden. So kam es auch vor, dass Spiele aus Mangel an Interesse abgesagt wurden Für das Jahr 1933 standen für die 1.Mannschaft folgende Gegner auf dem Programm: Sturm Reichenbach Großfriesen Theuma Kottengrün Zeitz II Trieb Grünbach II Altmannsgrün Werda Falkenstein II Poppengrün Mechelgrün. Für kreisligaähnliche Verhältnisse spricht auch die Tatsache, dass offensichtlich  in Grünbach, Zeitz und Falkenstein 1. Mannschaften existierten, die  höherklassig spielten.  Es wird nachweisbar, dass unser Verein mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte. So schätzte der Vorstand am 21.6.1932 ein, dass „der Verein die Trainingstage etwas mehr beschränken muss, da sehr viele Bälle kaputt gehen“. Es wurde weiter betont, dass „die Vereinssteuern sehr schlecht eingehen und der Verein jetzt sehr zu kämpfen hat, weshalb die Einschränkung in nächster Zeit vorgenommen werden muss“. Trotzdem schloss der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsch, dass „am kommenden Sonntag der Pokal mit nach Bergen wandert“. Man bemühte sich deshalb um Sponsoren, oft erfolglos. So erhielt der Verein am 20.12.32 ein Schreiben, in dem die Zigarettenfabriken „Orami“ und „Bulgaria“ eine Spende ablehnten. Es gab ein reges Vereinsleben. Man setzte auf Geselligkeit und gemeinsame Erlebnisse. Am 21. Mai 1933 spielte z.B. der FC Plauen gegen Bayern München und lud auch die Bergener Spieler zu diesem Ereignis ein. Karten konnte man bei Rudy Kaiser bestellen. Alles, was diese Gemeinschaft von Sportlern in Frage stellte, wurde diskutiert und auch bestraft. In der Sitzung vom 11. 4. 1933 ist nachzulesen, dass ein Spieler gegen Großfriesen sich zu „unsportlichen Redensarten an seine Spieler“ hat hinreißen lassen und eine „dementsprechende Strafe“ zudiktiert bekam. Als die Arbeitslosigkeit immer größer wurde, wurde eine „Eintrittsermäßigung für Erwerbslose“ verfügt. Es sollte keiner im gesellschaftlichen Abseits stehen und nicht teilhaben können. Die Machtergreifung Hitlers ist im Buch dokumentiert und wurde wegen der damit verbundenen Hoffnung auf Verbesserung der gesellschaftlichen Lage in Deutschland begrüßt. Später wird deutlich, dass das sportliche Leben, wie dann auch in der DDR, zunehmend politisiert wurde. Das Reichssport-Blatt musste bestellt werden, es wurde auch in den Spielbetrieb eingegriffen. So waren z.B. am 1.10.1933 keine Spiele angesetzt worden, dafür sollte „Wehrsport“ stattfinden. Interessant ist, dass sich Bergen nicht daran beteiligte, da sich der Verein ins Erntedankfest mit Gottesdienst und Umzug durch den Ort einbrachte. Die Spieler erschienen in „langer Hose und Dress“, gestellt wurde sich am Vereinslokal, „zahlreiche Beteiligung, besonders der aktiven Spieler“ war Pflicht. Im November gab es Spielverbot wegen der Reichstagswahl. Am 22. Mai 1935 steht zu lesen, dass das Rückspiel gegen Theuma ausfallen musste, weil die Spieler zum Länderkampf nach Dresden fahren mussten, während „die übrigen“ am SA-Aufmarsch teilzunehmen hatten. Es wurde unter der Jugend geworben für den Verein. Am besten dokumentiert ist das unter dem Datum des 28.3.1934. Es fand ein Jugendwerbeabend bei Strippel statt mit Theaterabend am 1. Osterfeiertag. Der Eintritt betrug 0,60 RM. Am nächsten Tag dann, ebenfalls bei Strippel, ein Tanzvergnügen, der Eintrittspreis hierfür lag bei 0,70 RM. Weitere solche Vergnügungen sind dokumentiert, z.B. ein „Kränzchen“ wegen Spielabschlusses, sicherlich mit Frauen, am 30.4.1933. Mit dem Beginn des Krieges muss sich alles geändert haben. In der Festschrift zur Einweihung der Turbine-Kampfbahn wird dazu gesagt, dass der Krieg in „unsere Sportlerreihen tiefe Lücken gerissen hat“, und dass der Spielbetrieb fast völlig zum Erliegen kam. Genauere Aussagen sind dazu leider nicht zu treffen, weil die Dokumentenlage einfach zu schlecht ist. Schon im Herbst 1945 kam es dann zu einem Neuanfang im Bergener Sport. Nach den Aussagen der Festschrift vom 21.August 1955 waren es einige ältere Sportinteressenten, die sich im Cafe Schmidt trafen und die Sportvereinigung Bergen wieder ins Leben riefen. Daraufhin gab es eine öffentliche Versammlung in der Gaststätte „Edelweiß“, es wurde zur Wiederaufnahme des sportlichen Geschehens aufgerufen, und schon Ende 1945, man bedenke die gesellschaftliche Lage – Bergen war sowohl von der Roten Armee als auch von den Amerikanern zeitweise besetzt – wurde der Spielbetrieb in der1. Kreisklasse wieder aufgenommen. Es wurde zuerst unter der alten Bezeichnung „Sportvereinigung Bergen“, ab 1946 als „SG Bergen-Trieb“ gespielt. Und 1949 gab es dann als ersten großen Erfolg den Kreismeistertitel. Leider ist dazu nichts weiter in Erfahrung zu bringen.         Banner aus dem Jahre 1931                                            Auf dem Sportplatz an der Gaststätte “Echo” Die Weiterentwicklung des Vereins zur BSG Turbine Bergen      BSG - Mannschaft der Turbine Bergen 1950  Heinz Büttner bezeichnete die Entwicklung des Vereins zum Betriebssportverein in seiner Festrede zum 90-jährigen Vereinsjubi-läum als eine „Stern-stunde“. Es  gab im Rahmen der damaligen DDR-Politik Richt-  linien, die die Bildung von Betriebssportge-meinschaften favorisier-ten. Bergen war im Kreismaßstab ein Vor-reiter dieser Entwick-lung und gründete gleich nach dem Krieg den ersten Betriebssportverein. Bergen war zum wirtschaftlichen Kleinzentrum gewachsen, zudem waren Sportfreunde aus Bergen in einflussreichen Positionen in der Aktiengesellschaft Sächsischer Elektrizitätswerke. Vor allem Rudolf Schupfner muss hier genannt werden, der als Leiter des Fuhrparks der Energieversorgung jahrzehntelang unermüdlich für den Verein am Wirken war. Ein zweiter wichtiger Faktor waren die Bekleidungswerke Bergen mit ihrem Engagement für die sportliche Entwicklung des Vereins. Herbert Schneider, der ehemalige Fahrer des Firmenchefs Windisch, wurde 1945 Betriebsleiter der Bekleidungswerke und ist aus der damaligen rasanten Weiterentwicklung des Vereins als förderndes Element überhaupt nicht wegzudenken. Über ihre Funktionen ermöglichten beide eine finanzielle und materielle Unterstützung, um die viele Vereine den unseren beneideten. Es erwuchs daraus eine Zusammenarbeit bis über die Wendezeit hinaus. Viele der Aktiven hatten über die Trägerbetriebe ihre berufliche Existenz und Laufbahn gegründet, was zu einer Stabilität auch im sportlichen Bereich führte. Mindestens sieben aktive Spieler waren allein in der Energieversorgung beschäftigt und konnten so berufliche und sportliche Interessen mit der Unterstützung des Betriebes im Rücken ideal zusammenbringen. Auch die Tätigkeit der SDAG Wismut in Bergen brachte dem Verein immer wieder Zuwachs. Sportliche Erfolge stellten sich so fast notwendigerweise ein, und die Infrastruktur veränderte sich zusehends. Der Bau des Sportheims in den Jahren 1949/50  Im Rahmen des Aufschwunges wurde die Forderung nach einem eigenen  Sportheim immer lauter. In der Festschrift von 1955 wird konstatiert, dass der  Alte Platz etwas zu weit abseits des Dorfzentrums lag, dass Sportler und  Zuschauer zu sehr den Witterungsunbilden ausgesetzt waren. Daraufhin war es  wohl vor allem Herbert Schneider, der die Initiative zum Sportheimbau ergriff.  Es ging in den ersten Überlegungen darum, erst einmal einen Raum zu erhalten  und die vorhandene Holzbude um 4m zu erweitern. Doch dieser Plan wurde  schnell wieder zur Seite gelegt und das heute noch vorhandene Sportheim  (ohne Anbau und Terrasse) in Angriff genommen. Die Grundsteinlegung war im  Sommer1949. Unzählige freiwillige Arbeitseinsätze wurden geleistet, alle  organisatorischen Fähigkeiten wurden aufgeboten. In der Nachkriegszeit war schon die Materialbeschaffung ein schier unlös-bares Problem. Die Ziegel stammen aus dem stark zerstörten Plauen. 60000 Stück mussten nach Bergen transportiert werden. Siegfried Hüttner erinnert sich noch gut an diese Zeit, und er meinte, danach befragt, mit einem Lächeln, dass es durchaus auch Nacht-und-Nebel-Aktionen gab, die ihm noch gut im Bewusstsein sind. Andere Baumaterialien, Dachpappe, Nägel, Holz, wurden irgendwie beschafft und verbaut. Das Geld wurde dankenswerterweise aus dem Direktorfonds des Bekleidungswerkes und teilweise aus dem Fonds des E-Werkes bereitgestellt. Auch die Gemeinde Bergen half, wo sie konnte. Trotzdem war das Geld bis zum Abschluss des Neubaues immer knapp. Herbert Schneider machte deshalb in der Mitgliederversammlung am 1.8.1950 den Vorschlag, die Vereinsmitglieder um finanzielle Unterstützung beim Bau zu bitten. Das sollte nicht in Form einer Spende geschehen, sondern als Darlehen, das später zurückgezahlt werden würde. Von den in der Sitzung anwesenden 27 Mitgliedern wurde ein Summe von 305.- Mark aufgebracht. Pünktlich zur Kirmes war das Sportheim fertig und wurde festlich eingeweiht, untern anderem mit dem legendären Nachtfußballspiel. Später wurde weitergebaut. Die Umkleideräume wurden erweitert, ebenfalls die Terrasse, Waschräume geschaffen, an die sich bestimmt noch viele erinnern können. Im Spätsommer 1954 wurde mit dem Erweiterungsbau begonnen, 1955 wurde er abgeschlossen. Dabei flossen aus dem Direktorfonds und dem Betriebsfonds noch einmal rund 28000 Mark. Nach der Fertigstellung (noch ohne Terrasse)                                                    Nachträglicher Anbau der Terrasse Das Nachtfußballspiel am 2. Kirmesfeiertag 1950  Es sollte also 1950 nicht nur der Neubau des Sportheims gefeiert, sondern auf  lange Distanz weiter gebaut werden in Bergen: vor allem ein besseres Stadion  war angedacht. Also war der Verein trotz Unterstützung der Trägerbetriebe auf  gute Ideen und das Engagement der Vereinsmitglieder angewiesen, denn ein  solches Vorhaben war natürlich damals noch schwerer durchführbar als heute.  Siegfried Hüttner erzählte als Zeitzeuge sehr lebendig und anschaulich, wie das  damals war. Strom war nicht unbegrenzt verfügbar, sondern wurde in einer Art  Kontingent zur Verfügung gestellt. Das bedeutete nach seiner Aussage, dass in  der Regel entsprechend einem Erlass von einem Herrn Winter, damals Chef der  Energieversorgung, gegen 19.00 Uhr das Licht ausging. Und in dieser Zeit plante  ein Ort wie Bergen ein Nachtfußballspiel! Anderswo fehlte der Strom, und in  Bergen plante man  Watt Beleuchtung für ein Fußballspiel. Aber wo ein Wille  ist, ist auch ein Weg. Die Bekleidungswerke Bergen hatten im Krieg Uniformen  für die deutschen Soldaten produziert, mittlerweile waren es Uniformen für die  Polizei. Durch diesen Umstand gab es Beziehungen zum späteren Armeegeneral  der DDR, Heinz Hoffmann, damals Chef der Polizeistreitkräfte in Sachsen, für  die unser Bergener Betrieb Uniformen herstellte. Weiterhin war es im Sinne der  damaligen Politik, dass für kulturelle Veranstaltungen, sozusagen als Ausnahme  im Gegensatz zur herrschenden Norm, Strom zur Verfügung gestellt wurde. Im  Vorfeld sollte in einem Zelt eine Polizeikapelle spielen. Und damit war der Fakt  einer kulturellen und propagandistischen Veranstaltung gegeben, Herbert  Schneider war zudem mit Hoffmann per du, und es gelang tatsächlich, den  späteren Armeegeneral nach Bergen zu holen. Damit war die Zuteilung von  Strom plötzlich kein Thema mehr. Zur gegebenen Zeit waren viele Bergener auf  der Straße in Richtung Sportplatz unterwegs, der Polizist Lutz rannte die Straße  entlang, um die Leute aufzufordern Platz zu machen, Hoffmann erschien in  einer großen offenen Limousine, die Polizeikapelle spielte. Hoffmann  propagierte auf dem Balkon des Sportheims nach Aussage von Siegfried Hüttner  den Sieg des Sozialismus, und dass der Strom nur für die Kapelle genehmigt  worden war, spielte keine Rolle mehr. Bergen hatte sein Nachtspiel, in unserer  Region mit Sicherheit das erste seiner Art. 3500 Zuschauer umsäumten das alte  Fußballfeld und sahen nach der Festschrift von 1955 einen „spannenden Kampf“  gegen Zentra Wismut Aue, in dem Bergen zwar mit 1:6 unterlag, was aber der  Begeisterung überhaupt keinen Abbruch tat. Man sollte die damalige  provisorische Lichtanlage aber keinesfalls mit heutigen modernen  Flutlichtanlagen in Verbindung bringen. Das Ergebnis war immer noch ein „Spiel  im Dämmerlicht“. Karl-Fried Geigenmüller erfuhr in einem Gespräch mit  Siegfried Hüttner, dass der Plan umgesetzt wurde, in Zusammenarbeit mit der  Malerfirma Schmidt die braunen Lederbälle der damaligen Zeit mit einer  weißen Farbe anzustreichen, um die Sichtbarkeit zu gewährleisten. Tatsächlich  wurde also damals mit einem weißen Ball gespielt. Wie lange die Farbe an dem  Ball tatsächlich ihre Wirkung behielt, ist nicht mehr zu ermitteln.  Sportfreund Hüttner ergänzte diese Schilderung mit Fakten zur Verpflegungssituation. Mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht erzählte er, dass zu dem Ereignis 1 (!) Pfund Bohnenkaffee und 1000 Bockwürste für die Gaststätte genehmigt worden waren, und dass es danach Nachahmer aus dem Zwickauer Raum gab, die erschienen, um sich die Lichtanlage auszuborgen. Aber diese war natürlich nur ausgeliehen und längst nicht mehr verfügbar. Aufstieg in die Bezirksklasse Die nachfolgenden Jahre waren vom Bestreben um den Aufstieg in die  Bezirksklasse geprägt. Dieser Weg war schwer, zwar wurden immer gute  Platzierungen erzielt, doch zum Aufstieg fehlte wohl auch das Quäntchen  Glück, das immer dazugehört.  Das änderte sich in der Punktspielserie 1953/54. Die gute Platzierung auch in diesem Jahr ergab zusammen mit einer Veränderung der Klasseneinteilung für den Verein die Möglichkeit, an den angesetzten Ausscheidungsspielen teilzunehmen. Es war trotzdem eine knappe Sache, denn am Ende der Ausscheidung standen wir mit der BSG Fortschritt Treuen punktgleich. Es kam also alles auf dieses letzte Endspiel an. Die BSG Turbine bereitete sich sehr gut vor und fuhr mit Zuversicht nach Rodewisch, wo sich am 2.9.1953 alles entschied. Bergen trat mit folgender Mannschaft an:                                                           Zemanik                                                    Wunderlich, Braun                                            Unterdörfel, Reiher, K.Mattis                                 G. Wolf, Wilke, Gottschald, Sommer, Thoß . Die letzten 20 Minuten spielte Schupfner für Wilke, der verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Und diese Mannschaft sorgte für den Triumph und die Aufstiegsfeier mit einem 4:3-Sieg. Bis zum Mai 1962 konnte die Klasse gehalten werden. Schon der Aufstieg hatte sich schwierig gestaltet, doch die Spielklasse zu halten war wohl noch schwieriger. Die Anforderungen nicht nur an die Spieler, sondern an den ganzen Verein waren deutlich höher, Niederlagen mussten verkraftet werden. Um so höher ist die Tatsache einzuschätzen, dass am Ende der Saison auch in den ganz schwierigen Spielserien zwischen 1953 und 1955, wie in der Festschrift von 1955 nachzulesen ist, „ein guter Mittelplatz“ zu verzeichnen war. Das erhaltene Protokollbuch des Spielausschusses vom 8.11.53 bis 21.8.57 gibt Auskunft über die zeitweilige Dramatik der Situation. Unter dem Datum des 1.9.54 ist zu lesen, dass 17 Spiele in Serie verloren worden waren, dass das Spiel gegen Theuma nunmehr so gestaltet werden müsse, dass wieder Hoffnung besteht. Und es wurde tatsächlich ein 2:1-Sieg eingefahren mit Thoß und Blobner als Torschützen. Die nächsten Spiele sind ebenfalls gut dokumentiert:                          gegen Ellefeld (verloren) Grünbach (verloren) Falkenstein (verloren) Hammerbrücke (gewonnen) Plauen          (gewonnen) Plauen Nord (verloren) Einheit Plauen (gewonnen) Einheit Auerbach (0:8 verloren) Aufbau Plauen (gewonnen) Es folgten elf weitere Spiele: 2 davon wurden gewonnen, 3 endeten unentschieden, 6 wurden verloren. Das letzte Spiel der Saison fand am 30.3.55 gegen Falkenstein statt, wurde zwar verloren, aber am Ende war doch der 9.Tabellenrang erkämpft worden. Der Aufstieg in die Bezirksklasse war mit Sicherheit der größte sportliche Erfolg des Vereins in dieser Zeit. Siegfried Hüttner weiß noch, dass die Eintrittspreise zu den Spielen bei 0,60 Mark lagen und dass bei einem Bezirksklassespiel im Schnitt 250 bis 300 Zuschauer erschienen. Die Schiedsrichter kosteten den Verein ungefähr 5.- Mark. Verpflegung gab es für sie keine. Es gelang, die Klasse bis zum Jahre 1962 zu halten, und auch das war eine unglaubliche Leistung. Ein neuer Platz muss her– die Entstehung der Turbine-Kampfbahn        Beim Bau der Turbine - Kampfbahn  Aus der Festschrift zur Einweihung der Turbine-Kampfbahn ist ersichtlich, dass man sich im Verein seit 1952 mit dem Gedanken an den Bau einer neuen Sport-platzanlage beschäftigte. Der gelungene Bau des Sportlerheimes machte Mut, in den benachbarten Orten standen „viele und schöne Sportanlagen“, und an unseren „alten Hügelplatz“ wurde „mit Grauen“ gedacht. Auf ihm konnten „keine einwandfreien sportlichen Disziplinen“ mehr durchgeführt werden. Der Verein hatte damals viele Sparten, und allen Sportarten sollte mit dem neuen Platz Rechnung getragen werden. Sportfreund Schupfner scheute die Verantwortung nicht und nahm mit allen Institutionen Verbindung wegen der Freigabe eines geeigneten Geländes auf. Die Anfänge waren niederschmetternd. Es sollte in Richtung Trieb unter teilweiser Nutzung des alten Platzes gebaut werden, es wurde begonnen, und als eine ansehnliche Erdmasse bewegt worden war, stieß man auf felsigen Untergrund und hatte Wassereinbrüche zu verzeichnen, die den Bau nachhaltig stoppten. Viel freiwillige Arbeit war geleistet worden, und das Vorhaben wurde nicht aufgegeben, sondern es gab sofort einen zweiten, erfolgreichen Anlauf bei den Behörden. Das heutige, 2,3 ha große Areal wurde letztlich bereitgestellt, und man hegte Hoffnungen auf baldige Fertigstellung. Als das Gelände nivelliert worden war, herrschte mit Sicherheit erst einmal Ernüchterung, denn es waren ca. 3500 Kubikmeter Erdreich zu bewegen, um eine einigermaßen ebene Fläche zu erhalten. Die Festschrift von 1955 gibt einen guten Einblick in den Idealismus der Vereinsmitglieder, die alle Kraft für die kontinuierliche Weiterführung des Projektes einsetzten. 15000 Mark waren für das Planjahr 1954 von der Zentrale der „Turbine“ zugewiesen worden. Daraufhin wurden der Baufirma Günther aus Reichenbach die Planierungsarbeiten übertragen. Ehe aber die Planierraupe zum Einsatz kam, musste nach dem Abernten des Geländes der Mutterboden abgetragen werden, und das geschah in freiwilligen Arbeitseinsätzen durch die Vereinsmitglieder. Die Zeit war knapp, und die Festschrift spricht von „Nachteinsätzen“, einer „Beteiligung von 120 Mann bis 24 Uhr“. Im November 1953 begann die Planierraupe mit der Arbeit. Im Dezember wurde die Arbeit wegen des Frostes eingestellt. Das nächste Jahr brachte einen stark verregneten Sommer, und die Arbeiten mussten mehrfach unterbrochen werden. Die Arbeit der Planierraupe zog sich bis September hin. Inzwischen waren die Mittel knapp geworden. Der Rat des Kreises wurde kontaktiert, man wandte sich sogar an die Regierung wegen der Vergabe von Zuschüssen. Was das Beschaffen der nötigen Gelder angeht – diese Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen. Schon unter dem Datum des 11.11.1952 ist aus dem Protokollbuch Bergen-Trieb ersichtlich, dass die Zentrale der „Turbine“ die Gewährung einer Beihilfe glatt abgelehnt hatte. Unter dem 1.4.53 ist nachzulesen, dass an ein Weiterbauen nicht zu denken sei, solange die Geldfrage nicht geklärt ist. Auch anderweitig war das Geld knapp, es gab selbst Probleme bei der Instandsetzung der Schuhe und Bälle, weswegen der Schuhmacher Thoß aus Trieb gewonnen werden sollte, es sollte sogar überzählige Sportkleidung verkauft werden, um an etwas Geld zu kommen. Letztlich wurden 4000 Mark aus den Direktorenfonds der Trägerbetriebe zur Verfügung gestellt. In der Festschrift ist festgehalten: „Unter Einschaltung des stv. Ministers Jeczmionka und des damaligen Werkleiters Rauner von der Energieverteilung Plauen gelang es unserem Sportfreund Schupfner aus Toto und nicht genutzten Investitionsmitteln Gelder flüssig zu machen“. Am 23.4.1954 verpflichtet sich die BSG, die Kampfbahn fertig zu stellen, ein Volumen von 5000 zu leistenden Arbeitsstunden wurde beschlossen. Eine Woche vor der Platzweihe war noch ein enormes Pensum zu bewältigen, worauf sich wiederum viele Mitglieder zur Verfügung stellten, um rechtzeitig fertig zu werden. Was war am Ende geschaffen worden? Die Festschrift gibt konkrete Auskunft: „Die neue Kampfbahn besitzt ein Fassungsvermögen von etwa 10000 Zuschauern und ist als Stadion anerkannt worden. Das Rasensportfeld weist die vorgeschriebene Größe von 70 x 105 m auf. Für Leichtathletikwettkämpfe ist eine 400-m-Laufbahn mit 5 Bahnen, für kurze Strecke 100 m und 110 m Hürden mit 6 Bahnen angelegt. Darüber hinaus sind Anlagen vorhanden für Hochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen, Diskus- und Speerwurf, Volleyball usw. Der geldliche Aufwand betrug insgesamt rund 36000 Mark. Außerdem wurden rund 12000 freiwillige Arbeitsstunden geleistet.“ Siegfried Hüttner mit seinen 90 Lebensjahren erinnert sich noch genau an diese Zeit, auch an all die kuriosen Episoden, die sich mehr am Rande abspielten. Lachend bezog er sich im Gespräch noch einmal auf die schwierigen Anfänge des Baues und meinte, wenn Spfr. Schupfner zu ihm kam, hätte er sofort zu ihm gesagt: „Wenn du wieder von dem Sportplatz anfängst, gehe ich gleich zu Bett!“ Dass das einen Einblick in die Gefühlslage gibt, stimmt mit Sicherheit, dass er letztlich doch weitermachte, trotz aller Schwierigkeiten, ist gut belegt. Er meinte weiter, der von Karl Blechschmidt gekaufte Boden wäre zum Preis von 0,10 Mark pro Quadratmeter zu haben gewesen, doch weder der Betrieb, noch die Gemeinde hätte Land kaufen dürfen. Auch diesmal war es Sportfreund Schupfner, der mit 50 Mark in der Tasche nach Chemnitz fuhr, um im Bezirk die Genehmigung einzuholen... Historie des  SV Turbine Bergen e.V. die offizielle Chronik
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